Nimzowitsch-Indische & Bogo-Indische Verteidigung

18. Petrosjan-System mit 4.a3 (Kasparov-Spezial)

Garri Kasparow wählte 4.a3, um Bb4+ auszuschalten und Nc3 und e4 ungestört vorzubereiten.

1.d4 Nf6 2.c4 e6 3.Nf3 b6 4.a3 Bb7 5.Nc3 d5 6.cxd5 Nxd5 7.Qc2 Nxc3 8.bxc3 Nd7 9.e4 c5 10.Bf4 cxd4 11.cxd4 Rc8 12.Qb3 Be7

Zug für Zug

  1. 1.d4 – Weiß besetzt das Zentrum mit dem Damenbauern, von der Dame gedeckt, und befreit den Läufer c1. Mit diesem Zug beginnen Partien des Damengambits, des Katalanen und der Nimzowitsch-Indischen Verteidigung.
  2. 1...Nf6 – Schwarz entwickelt den Springer zum Zentrum und verhindert sofort 2.e4. Mit Nf6 bleibt Schwarz flexibel: Er kann zwischen Nimzowitsch-Indisch, Damenindisch, Königsindisch oder abgelehntem Damengambit wählen.
  3. 2.c4 – Weiß gewinnt Raum am Damenflügel und greift aus der Ferne das Feld d5 an. Weiß droht nun, mit Nc3 und e4 ein großes Bauernzentrum aufzubauen.
  4. 2...e6 – Schwarz öffnet die Diagonale des Läufers f8 und bereitet sowohl d5 als auch Bb4 vor. Im Vergleich zu 2...d5 bleibt Schwarz elastisch: Er wartet ab, ob Weiß Nc3 spielt, was die Nimzowitsch-Indische Verteidigung ermöglicht.
  5. 3.Nf3 – Weiß entwickelt den Königsspringer statt Nc3 und weicht der Nimzowitsch-Indischen Verteidigung aus: Ohne Springer auf c3 kann ...Bb4 nichts fesseln, aber Weiß kontrolliert e4 weniger.
  6. 3...b6 – Die Damenindische Verteidigung: Schwarz bereitet Bb7 oder Ba6 vor, um e4 und die hellen Felder zu kontrollieren. Ohne Springer auf c3 hätte ...Bb4 keine Fesselung.
  7. 4.a3 – Das Petrosjan-System: Weiß verhindert ...Bb4 und bereitet Nc3 vor, ohne gefesselt zu werden. So kann der Springer c3 e4 stützen.
  8. 4...Bb7 – Schwarz entwickelt den Läufer auf die Langdiagonale, von wo er e4 kontrolliert. Das ist das Feld, das Weiß mit Nc3 und e4 erobern will.
  9. 5.Nc3 – Weiß entwickelt den Springer und kontrolliert e4 und d5. Nun droht er d5, um den Läufer b7 einzusperren.
  10. 5...d5 – Schwarz besetzt das Zentrum und verhindert d5. Der Bauer d5 kontrolliert e4 und c4 und stoppt den Vorstoß e4.
  11. 6.cxd5 – Weiß tauscht auf d5, um das Zentrum zu öffnen und die Struktur zu wählen. Schwarz muss entscheiden, ob er mit dem Springer oder dem Bauern zurücknimmt.
  12. 6...Nxd5 – Schwarz schlägt mit dem Springer zurück und lässt die Diagonale des Läufers b7 offen. Der Springer auf d5 ist aktiv und kontrolliert c3 und e3.
  13. 7.Qc2 – Die Dame auf c2 kontrolliert e4 und bereitet den Vorstoß e4 vor, der den Springer d5 vertreibt. Es ist Kasparows Wahl in dieser Stellung.
  14. 7...Nxc3 – Schwarz tauscht die Springer, bevor e4 ihn mit Tempo vertreibt. Nach bxc3 hat Weiß ein großes Zentrum, aber die Bauern a3 und c3 sind schwach.
  15. 8.bxc3 – Weiß schlägt mit dem b-Bauern zurück, der d4 verstärkt und e4 vorbereitet. Das weiße Zentrum ist stark, muss aber sorgfältig verteidigt werden.
  16. 8...Nd7 – Schwarz entwickelt den Springer nach d7, von wo er ...c5 stützt und nach f6 gehen kann, um e4 anzugreifen.
  17. 9.e4 – Weiß besetzt das Zentrum mit e4 und nimmt den ganzen Raum. Der Bauer e4 wird von der Dame c2 gedeckt.
  18. 9...c5 – Schwarz greift das weiße Zentrum mit ...c5 an. Der Plan ist, auf d4 zu tauschen, um die c-Linie zu öffnen und d4 und e4 anzugreifen.
  19. 10.Bf4 – Weiß entwickelt den Läufer auf eine aktive Diagonale, wo er c7 und b8 kontrolliert. So kann Schwarz c7 nicht für die Dame oder den Turm nutzen.
  20. 10...cxd4 – Schwarz tauscht auf d4 und öffnet die c-Linie für den Turm. Weiß hat ein großes Zentrum, aber die Bauern d4 und e4 haben nun keine seitlichen Bauern zur Stützung.
  21. 11.cxd4 – Weiß schlägt mit dem c-Bauern zurück und behält das Zentrum d4-e4. Die c-Linie ist nun offen.
  22. 11...Rc8 – Der Turm besetzt die offene c-Linie und greift die Dame c2 an. Die Dame muss nun ziehen.
  23. 12.Qb3 – Die Dame geht nach b3, wo sie auf b6 und e6 drückt und d5 vorbereitet. Die Dame vermeidet außerdem, auf der c-Linie zu bleiben.
  24. 12...Be7 – Schwarz entwickelt den Läufer und bereitet die Rochade vor. Der König auf e8 ist noch Bb5 und d5 ausgesetzt.

So nutzt du die Stellung

Weiß hat ein großes Zentrum d4-e4 und das Läuferpaar, Schwarz hat die offene c-Linie und Druck auf e4. Die Stellung ist dynamisch: Schwarz muss rochieren und das Zentrum treffen.

Tipps vom Meister

Vor Bb5 rochieren

Mit dem Springer auf d7 und dem König auf e8 fesselt Bb5 den Springer und schafft Drohungen im Zentrum.

Musterpartien