Spanische Partie

21. Das klassische Berliner Endspiel (9.h3 Ke8 10.Nc3)

Die Berliner Mauer führt zwangsläufig zu einem frühen Endspiel mit König und Leichtfiguren. Schwarz verliert das Rochaderecht, hat aber das Läuferpaar; Weiß hat eine 4-gegen-3-Mehrheit am Königsflügel und eine makellose Bauernstruktur.

1.e4 e5 2.Nf3 Nc6 3.Bb5 Nf6 4.O-O Nxe4 5.d4 Nd6 6.Bxc6 dxc6 7.dxe5 Nf5 8.Qxd8+ Kxd8 9.h3 Ke8 10.Nc3 Be7 11.Bf4

Zug für Zug

  1. 1.e4 – Weiß besetzt das Zentrum und öffnet die Diagonalen für Dame und Läufer f1. In der Spanischen Partie wird dieser Bauer oft im Mittelpunkt des Kampfes stehen: Schwarz greift ihn mit ...Nf6 an und schlägt ihn in der Offenen Variante sogar mit ...Nxe4.
  2. 1...e5 – Schwarz antwortet symmetrisch: Es streitet um d4 und f4, verhindert e4-e5 und befreit den Läufer f8. Von hier aus baut Weiß die gesamte Spanische Partie auf dem Druck gegen diesen Bauern auf.
  3. 2.Nf3 – Entwickelt den Springer mit direktem Angriff auf den Bauern e5, der nun verteidigt werden muss. Der Springer bereitet außerdem die kurze Rochade vor und unterstützt einen späteren Vorstoß d2-d4.
  4. 2...Nc6 – Deckt e5, entwickelt eine Figur und kontrolliert d4. Gerade dieser Springer, der einzige Verteidiger von e5, wird das Ziel des nächsten Zuges von Weiß.
  5. 3.Bb5 – Die Spanische Partie: Der Läufer greift den Springer c6 an, den Verteidiger von e5. Eine unmittelbare Drohung gibt es noch nicht (Bxc6 dxc6 Nxe5 Qd4 gewinnt den Bauern zurück), aber der Druck auf c6 begleitet die ganze Eröffnung.
  6. 3...Nf6 – Die Berliner Verteidigung: Statt ...a6 greift Schwarz sofort e4 mit dem Springer an. Sie ist eine der solidesten Verteidigungen gegen die Spanische Partie und führt oft zu einem vorgezogenen Endspiel.
  7. 4.O-O – Weiß rochiert, ohne e4 zu decken: Nimmt Schwarz es, erlauben die e-Linie und der Vorstoß d4, den Bauern zurückzugewinnen, solange der schwarze König noch im Zentrum steht.
  8. 4...Nxe4 – Schwarz nimmt e4: Das ist die Hauptlinie der Berliner Verteidigung. Weiß kann nicht sofort mit Re1 zurückgewinnen, weil sich der Springer mit Tempo auf den Läufer nach d6 zurückzieht.
  9. 5.d4 – Die stärkste Antwort: Sie öffnet das Zentrum und droht Re1 und d5. Der Springer e4 muss ziehen, denn auf der e-Linie ist der schwarze König verwundbar.
  10. 5...Nd6 – Der Springer zieht sich zurück, greift den Läufer b5 an und kontrolliert die Felder c4 und e4. Schwarz gibt den Bauern zurück, ohne den König auf der e-Linie zu exponieren.
  11. 6.Bxc6 – Weiß tauscht den Läufer, statt ihn zurückzuziehen: Nach 6.Ba4 exd4 stünde Schwarz bequem. Mit dem Tausch kommt man zur Struktur der Berliner Mauer.
  12. 6...dxc6 – Schlägt nach außen zurück, um die Diagonale des Läufers c8 und die d-Linie zu öffnen. Die Doppelbauern auf der c-Linie sind der Preis für das Läuferpaar.
  13. 7.dxe5 – Gewinnt den Bauern zurück und greift den Springer d6 an. Der Bauer e5 gewinnt Raum und wird die Grundlage des weißen Plans im Endspiel sein.
  14. 7...Nf5 – Der Springer geht nach f5, dem einzigen aktiven Feld: Von hier kontrolliert er d4, e7 und h4 und lässt sich nicht leicht vertreiben. Nun blicken sich die Damen auf der d-Linie an.
  15. 8.Qxd8+ – Weiß tauscht die Damen und der schwarze König muss zurückschlagen und verliert das Rochaderecht: Das ist das Endspiel der Berliner Mauer, berühmt durch das Match Kasparow–Kramnik im Jahr 2000.
  16. 8...Kxd8 – Erzwungenes Zurückschlagen mit dem König, der das Rochaderecht verliert. Ohne Damen ist der König im Zentrum nicht in Gefahr, und Schwarz kann ihn auf e8 oder c8 in Sicherheit bringen.
  17. 9.h3 – Bereitet g4 vor, um den Springer f5 zu vertreiben, und nimmt Schwarz das Feld g4 für Läufer und Springer. Es ist der meistgespielte Zug im Berliner Endspiel.
  18. 9...Ke8 – Der König kehrt nach e8 zurück, um die d-Linie freizumachen und die Türme nach der Entwicklung des Läufers f8 leichter zu verbinden.
  19. 10.Nc3 – Entwickelt den Springer Richtung e4, von wo er f6, c5 und d6 anvisieren wird. Er deckt auch die Felder d5 und e4.
  20. 10...Be7 – Entwickelt den Läufer und bereitet die Verbindung der Türme vor. Von e7 aus kontrolliert Schwarz auch g5 und h4.
  21. 11.Bf4 – Entwickelt den Läufer, stützt e5 und verbindet die Türme: Weiß ist bereit für Rad1 und Rfe1.

So nutzt du die Stellung

Klassisches Berliner Endspiel: Weiß hat die gesunde Mehrheit am Königsflügel und den Bauern e5, der Raum nimmt; Schwarz hat das Läuferpaar und eine sehr solide Stellung.

Tipps vom Meister

Der Plan im Berliner Endspiel

Nach 8.Qxd8+ Kxd8 9.h3 Ke8 10.Nc3 lautet der weiße Plan: Bf4 oder Be3 entwickeln, die d-Linie mit den Türmen besetzen und die Königsflügelmehrheit mobilisieren.

Musterpartien