11. Breyer-Variante (9...Nb8 10.d4 Nbd7)
Die Breyer-Variante gilt als eine der solidesten und tiefgründigsten Verteidigungen gegen die Spanische Partie. Schwarz zieht den Springer von c6 nach b8 zurück, um ihn erneut auf d7 zu platzieren, und öffnet so die c-Linie für den Vorstoß ...c5.
1.e4 e5 2.Nf3 Nc6 3.Bb5 a6 4.Ba4 Nf6 5.O-O Be7 6.Re1 b5 7.Bb3 d6 8.c3 O-O 9.h3 Nb8 10.d4 Nbd7 11.Nbd2 Bb7 12.Bc2 Re8
Zug für Zug
- 1.e4 – Weiß besetzt das Zentrum und öffnet die Diagonalen für Dame und Läufer f1. In der Spanischen Partie wird dieser Bauer oft im Mittelpunkt des Kampfes stehen: Schwarz greift ihn mit ...Nf6 an und schlägt ihn in der Offenen Variante sogar mit ...Nxe4.
- 1...e5 – Schwarz antwortet symmetrisch: Es streitet um d4 und f4, verhindert e4-e5 und befreit den Läufer f8. Von hier aus baut Weiß die gesamte Spanische Partie auf dem Druck gegen diesen Bauern auf.
- 2.Nf3 – Entwickelt den Springer mit direktem Angriff auf den Bauern e5, der nun verteidigt werden muss. Der Springer bereitet außerdem die kurze Rochade vor und unterstützt einen späteren Vorstoß d2-d4.
- 2...Nc6 – Deckt e5, entwickelt eine Figur und kontrolliert d4. Gerade dieser Springer, der einzige Verteidiger von e5, wird das Ziel des nächsten Zuges von Weiß.
- 3.Bb5 – Die Spanische Partie: Der Läufer greift den Springer c6 an, den Verteidiger von e5. Eine unmittelbare Drohung gibt es noch nicht (Bxc6 dxc6 Nxe5 Qd4 gewinnt den Bauern zurück), aber der Druck auf c6 begleitet die ganze Eröffnung.
- 3...a6 – Der Zug von Morphy: Er verlangt vom Läufer sofort eine Entscheidung. Nach 4.Ba4 kann Schwarz die Fesselung mit ...b5 jederzeit lösen; nach 4.Bxc6 erhält es das Läuferpaar.
- 4.Ba4 – Der Läufer zieht sich zurück, behält aber den Druck auf c6: Die Drohung Bxc6 mit anschließendem Nxe5 wird wieder aktuell, sobald Weiß rochiert hat. Schwarz kann die Diagonale jederzeit mit ...b5 unterbrechen.
- 4...Nf6 – Entwickelt den Springer mit Angriff auf e4. Das ist der Hauptzug: Er führt zur Geschlossenen Spanischen Partie mit ...Be7 oder zur Offenen Variante mit ...Nxe4.
- 5.O-O – Rochiert, ohne e4 zu decken: Nimmt Schwarz mit ...Nxe4, gewinnt Weiß den Bauern mit Re1 oder d4 zurück und nutzt den noch im Zentrum stehenden schwarzen König aus.
- 5...Be7 – Die Geschlossene Spanische Partie: Schwarz nimmt e4 nicht und entwickelt den Läufer, um zu rochieren. Von e7 schützt er den König und lässt das Feld f6 für den Springer frei.
- 6.Re1 – Der Turm deckt e4. Nun droht Weiß wirklich Bxc6 dxc6 Nxe5, denn der Rückgewinn mit ...Qd4 funktioniert bei gedecktem e4 nicht mehr.
- 6...b5 – Schwarz vertreibt den Läufer von a4 und löst die Drohung gegen c6. Es gewinnt Raum am Damenflügel, doch der Bauer b5 wird zum Ziel für a2-a4.
- 7.Bb3 – Der Läufer zieht sich auf die Diagonale a2-g8 zurück, von wo er f7 anvisiert und einen späteren Vorstoß d4 stützt. Es ist das natürliche Feld in der Geschlossenen Spanischen Partie.
- 7...d6 – Stützt e5 und öffnet die Diagonale des Läufers c8. Schwarz wählt die klassische Geschlossene Variante und vermeidet den Marshall-Angriff, der aus ...O-O mit anschließendem ...d5 entsteht.
- 8.c3 – Bereitet d4 mit der Stütze eines Bauern vor, sodass Weiß nach ...exd4 mit cxd4 zurückschlagen kann. Gibt dem Läufer außerdem den Rückzug nach c2 gegen ...Na5.
- 8...O-O – Schwarz rochiert und beendet den leichten Teil der Entwicklung. Nun muss es einen Plan wählen: Breyer, Zaitsev, Tschigorin oder andere Verteidigungen.
- 9.h3 – Ein typischer Vorbeugungszug der Spanischen Partie: Er verhindert ...Bg4, das den Springer f3 fesseln und den Druck auf d4 erhöhen würde. Nun kann Weiß d4 in Ruhe spielen.
- 9...Nb8 – Die Breyer-Variante: Der Springer geht zurück nach b8, um nach d7 zu ziehen, wo er e5 stützt, ohne den c-Bauern zu blockieren. So kann Schwarz ...c5 oder ...c6 spielen und den Läufer nach b7 stellen.
- 10.d4 – Nach dem bereits gespielten h3 besetzt Weiß das Zentrum mit d4. Der Bauer e5 wird nun angegriffen, doch der Springer b8 kehrt zurück, um ihn von d7 aus zu decken.
- 10...Nbd7 – Der Springer kommt nach d7 und stützt e5. Der Bauer c7 kann frei vorrücken und die Diagonale des Läufers c8 nach b7 ist offen.
- 11.Nbd2 – Entwickelt den Springer und deckt e4: Das ist der erste Schritt des Manövers Nbd2-f1-g3, das den Springer zum Königsflügel führt.
- 11...Bb7 – Der Läufer geht auf die lange Diagonale und drückt auf e4. In der Breyer-Variante setzt Schwarz das Zentrum unter Druck, bevor es die Struktur festlegt.
- 12.Bc2 – Der Läufer zieht sich nach c2 zurück: Er deckt e4 ein zweites Mal und räumt d2 für das Manöver Nf1-g3. Von der Diagonale b1-h7 blickt er auch zum schwarzen König.
- 12...Re8 – Der Turm geht auf die e-Linie, stützt e5 und räumt f8 für den Läufer, der nach f8 oder, nach ...g6, nach g7 gehen wird. Schwarz vollendet die typische Umgruppierung der Breyer-Variante.
So nutzt du die Stellung
Geschlossene, manöverreiche Stellung: Weiß hat dank d4-e4 mehr Raum, Schwarz ist solide und bereitet ...Bf8, ...g6 und ...c5 vor. Weiß muss seine Figuren verbessern, bevor es das Spiel öffnet.
- Vollende das Manöver Nf1-g3: Der Springer zielt auf f5 und h5 und stützt einen Angriff am Königsflügel.
- Treibe a4 gegen b5 vor: Tauscht Schwarz, öffnet sich die a-Linie für den Turm a1.
- Spielt Schwarz ...c5, erwäge d5, um das Zentrum zu schließen und am Königsflügel mit Nh2 und f4 oder g4 anzugreifen.
- Bg5 und Qd2 erhöhen den Druck auf den Springer f6, den Verteidiger des Königs.
Tipps vom Meister
Geduld und das Manöver Nbd2-f1-g3
Versuche nicht, die Breyer-Variante kopflos anzugreifen: Schwarz hat eine äußerst elastische Stellung. Dein Plan ist, das Springermanöver Nbd2-f1-g3 zu vollenden, den Läufer nach c2 zu stellen und die Spannung im Zentrum zu halten.