Spanische Partie

15. Keres-Variante (9...Nd7 10.d4 Bf6)

Paul Keres erdachte 9...Nd7, um e5 direkt zu stützen und dem Läufer die Umgruppierung nach f6 zu ermöglichen, wodurch im Zentrum eine uneinnehmbare Festung entsteht.

1.e4 e5 2.Nf3 Nc6 3.Bb5 a6 4.Ba4 Nf6 5.O-O Be7 6.Re1 b5 7.Bb3 d6 8.c3 O-O 9.h3 Nd7 10.d4 Bf6 11.a4 Bb7 12.Bc2

Zug für Zug

  1. 1.e4 – Weiß besetzt das Zentrum und öffnet die Diagonalen für Dame und Läufer f1. In der Spanischen Partie wird dieser Bauer oft im Mittelpunkt des Kampfes stehen: Schwarz greift ihn mit ...Nf6 an und schlägt ihn in der Offenen Variante sogar mit ...Nxe4.
  2. 1...e5 – Schwarz antwortet symmetrisch: Es streitet um d4 und f4, verhindert e4-e5 und befreit den Läufer f8. Von hier aus baut Weiß die gesamte Spanische Partie auf dem Druck gegen diesen Bauern auf.
  3. 2.Nf3 – Entwickelt den Springer mit direktem Angriff auf den Bauern e5, der nun verteidigt werden muss. Der Springer bereitet außerdem die kurze Rochade vor und unterstützt einen späteren Vorstoß d2-d4.
  4. 2...Nc6 – Deckt e5, entwickelt eine Figur und kontrolliert d4. Gerade dieser Springer, der einzige Verteidiger von e5, wird das Ziel des nächsten Zuges von Weiß.
  5. 3.Bb5 – Die Spanische Partie: Der Läufer greift den Springer c6 an, den Verteidiger von e5. Eine unmittelbare Drohung gibt es noch nicht (Bxc6 dxc6 Nxe5 Qd4 gewinnt den Bauern zurück), aber der Druck auf c6 begleitet die ganze Eröffnung.
  6. 3...a6 – Der Zug von Morphy: Er verlangt vom Läufer sofort eine Entscheidung. Nach 4.Ba4 kann Schwarz die Fesselung mit ...b5 jederzeit lösen; nach 4.Bxc6 erhält es das Läuferpaar.
  7. 4.Ba4 – Der Läufer zieht sich zurück, behält aber den Druck auf c6: Die Drohung Bxc6 mit anschließendem Nxe5 wird wieder aktuell, sobald Weiß rochiert hat. Schwarz kann die Diagonale jederzeit mit ...b5 unterbrechen.
  8. 4...Nf6 – Entwickelt den Springer mit Angriff auf e4. Das ist der Hauptzug: Er führt zur Geschlossenen Spanischen Partie mit ...Be7 oder zur Offenen Variante mit ...Nxe4.
  9. 5.O-O – Rochiert, ohne e4 zu decken: Nimmt Schwarz mit ...Nxe4, gewinnt Weiß den Bauern mit Re1 oder d4 zurück und nutzt den noch im Zentrum stehenden schwarzen König aus.
  10. 5...Be7 – Die Geschlossene Spanische Partie: Schwarz nimmt e4 nicht und entwickelt den Läufer, um zu rochieren. Von e7 schützt er den König und lässt das Feld f6 für den Springer frei.
  11. 6.Re1 – Der Turm deckt e4. Nun droht Weiß wirklich Bxc6 dxc6 Nxe5, denn der Rückgewinn mit ...Qd4 funktioniert bei gedecktem e4 nicht mehr.
  12. 6...b5 – Schwarz vertreibt den Läufer von a4 und löst die Drohung gegen c6. Es gewinnt Raum am Damenflügel, doch der Bauer b5 wird zum Ziel für a2-a4.
  13. 7.Bb3 – Der Läufer zieht sich auf die Diagonale a2-g8 zurück, von wo er f7 anvisiert und einen späteren Vorstoß d4 stützt. Es ist das natürliche Feld in der Geschlossenen Spanischen Partie.
  14. 7...d6 – Stützt e5 und öffnet die Diagonale des Läufers c8. Schwarz wählt die klassische Geschlossene Variante und vermeidet den Marshall-Angriff, der aus ...O-O mit anschließendem ...d5 entsteht.
  15. 8.c3 – Bereitet d4 mit der Stütze eines Bauern vor, sodass Weiß nach ...exd4 mit cxd4 zurückschlagen kann. Gibt dem Läufer außerdem den Rückzug nach c2 gegen ...Na5.
  16. 8...O-O – Schwarz rochiert und beendet den leichten Teil der Entwicklung. Nun muss es einen Plan wählen: Breyer, Zaitsev, Tschigorin oder andere Verteidigungen.
  17. 9.h3 – Ein typischer Vorbeugungszug der Spanischen Partie: Er verhindert ...Bg4, das den Springer f3 fesseln und den Druck auf d4 erhöhen würde. Nun kann Weiß d4 in Ruhe spielen.
  18. 9...Nd7 – Die Keres-Variante: Der Springer kehrt nach d7 zurück, um e5 zu stützen und den Läufer e7 zu befreien, der nach f6 gehen kann. Bereitet auch ...Nb6 gegen den Läufer b3 vor.
  19. 10.d4 – Weiß besetzt das Zentrum mit d4. Der Springer d7 und der künftige Läufer f6 werden e5 verteidigen.
  20. 10...Bf6 – Der Läufer geht nach f6, wo er e5 deckt und auf d4 drückt. Schwarz baut ein solides Zentrum auf, ohne die Spannung aufzugeben.
  21. 11.a4 – Bei durch die schwarze Verteidigung blockiertem Zentrum eröffnet Weiß eine zweite Front: a4 greift b5 an und droht, die a-Linie zu öffnen.
  22. 11...Bb7 – In der Keres-Variante schützt der Läufer auf b7 den Turm a8 vor dem Hebel a4 und trifft, sobald der Springer c6 zieht, e4 auf der langen Diagonale.
  23. 12.Bc2 – Der Läufer kehrt nach c2 zurück, um e4 zu decken und der Drohung ...Na5 zu entgehen. Der Springer b1 steht noch zu Hause und kann sich nach a3 entwickeln, um b5 anzugreifen.

So nutzt du die Stellung

Schwarz hat e5 mit Springer d7 und Läufer f6 verteidigt; Weiß hat Raum im Zentrum und den Hebel a4 gegen b5. Der Plan ist, den Damenflügel auszunutzen.

Tipps vom Meister

Mit a4 am Damenflügel zuschlagen

Gegen das solide Zentrum der Keres-Variante besteht Weiß nicht auf e5, sondern öffnet den Damenflügel mit a4 und dem Springer auf a3.

Musterpartien