Spanische Partie

34. Marshall-Angriff: der ungenaue Rückzug 11...Nf6

Im Marshall-Angriff lautet der moderne Zug 11...c6, der den Springer auf d5 stützt. Der ursprüngliche Rückzug 11...Nf6 ist langsamer: Weiß festigt den Mehrbauern mit d4 und g3, und Schwarz hat weniger Kompensation.

1.e4 e5 2.Nf3 Nc6 3.Bb5 a6 4.Ba4 Nf6 5.O-O Be7 6.Re1 b5 7.Bb3 O-O 8.c3 d5 9.exd5 Nxd5 10.Nxe5 Nxe5 11.Rxe5 Nf6 12.d4 Bd6 13.Re1 Ng4 14.g3

Zug für Zug

  1. 1.e4 – Weiß besetzt das Zentrum und öffnet die Diagonalen für Dame und Läufer f1. In der Spanischen Partie wird dieser Bauer oft im Mittelpunkt des Kampfes stehen: Schwarz greift ihn mit ...Nf6 an und schlägt ihn in der Offenen Variante sogar mit ...Nxe4.
  2. 1...e5 – Schwarz antwortet symmetrisch: Es streitet um d4 und f4, verhindert e4-e5 und befreit den Läufer f8. Von hier aus baut Weiß die gesamte Spanische Partie auf dem Druck gegen diesen Bauern auf.
  3. 2.Nf3 – Entwickelt den Springer mit direktem Angriff auf den Bauern e5, der nun verteidigt werden muss. Der Springer bereitet außerdem die kurze Rochade vor und unterstützt einen späteren Vorstoß d2-d4.
  4. 2...Nc6 – Deckt e5, entwickelt eine Figur und kontrolliert d4. Gerade dieser Springer, der einzige Verteidiger von e5, wird das Ziel des nächsten Zuges von Weiß.
  5. 3.Bb5 – Die Spanische Partie: Der Läufer greift den Springer c6 an, den Verteidiger von e5. Eine unmittelbare Drohung gibt es noch nicht (Bxc6 dxc6 Nxe5 Qd4 gewinnt den Bauern zurück), aber der Druck auf c6 begleitet die ganze Eröffnung.
  6. 3...a6 – Der Zug von Morphy: Er verlangt vom Läufer sofort eine Entscheidung. Nach 4.Ba4 kann Schwarz die Fesselung mit ...b5 jederzeit lösen; nach 4.Bxc6 erhält es das Läuferpaar.
  7. 4.Ba4 – Der Läufer zieht sich zurück, behält aber den Druck auf c6: Die Drohung Bxc6 mit anschließendem Nxe5 wird wieder aktuell, sobald Weiß rochiert hat. Schwarz kann die Diagonale jederzeit mit ...b5 unterbrechen.
  8. 4...Nf6 – Entwickelt den Springer mit Angriff auf e4. Das ist der Hauptzug: Er führt zur Geschlossenen Spanischen Partie mit ...Be7 oder zur Offenen Variante mit ...Nxe4.
  9. 5.O-O – Rochiert, ohne e4 zu decken: Nimmt Schwarz mit ...Nxe4, gewinnt Weiß den Bauern mit Re1 oder d4 zurück und nutzt den noch im Zentrum stehenden schwarzen König aus.
  10. 5...Be7 – Die Geschlossene Spanische Partie: Schwarz nimmt e4 nicht und entwickelt den Läufer, um zu rochieren. Von e7 schützt er den König und lässt das Feld f6 für den Springer frei.
  11. 6.Re1 – Der Turm deckt e4. Nun droht Weiß wirklich Bxc6 dxc6 Nxe5, denn der Rückgewinn mit ...Qd4 funktioniert bei gedecktem e4 nicht mehr.
  12. 6...b5 – Schwarz vertreibt den Läufer von a4 und löst die Drohung gegen c6. Es gewinnt Raum am Damenflügel, doch der Bauer b5 wird zum Ziel für a2-a4.
  13. 7.Bb3 – Der Läufer zieht sich auf die Diagonale a2-g8 zurück, von wo er f7 anvisiert und einen späteren Vorstoß d4 stützt. Es ist das natürliche Feld in der Geschlossenen Spanischen Partie.
  14. 7...O-O – Schwarz rochiert, bevor es das Zentrum entscheidet: Spielt Weiß 8.c3, kann Schwarz 8...d5 antworten, den Marshall-Angriff. Deshalb stehen Weiß die Anti-Marshall-Züge zur Verfügung.
  15. 8.c3 – Bereitet d4 und den Rückzug Bc2 vor, erlaubt Schwarz aber den Marshall-Angriff mit ...d5.
  16. 8...d5 – Der Marshall-Angriff: Schwarz opfert den Bauern e5, um seine Figuren schnell zu entwickeln und den weißen König anzugreifen.
  17. 9.exd5 – Weiß nimmt die Herausforderung an und schlägt auf d5. Die Ablehnung mit d3 oder d4 ist möglich, doch die Hauptlinie nimmt den Bauern an.
  18. 9...Nxd5 – Der Springer schlägt zurück und zentralisiert sich. Nun hat der Bauer e5 keine Verteidiger mehr.
  19. 10.Nxe5 – Nimmt den Bauern e5: Weiß hat einen Mehrbauern, doch die schwarzen Figuren kommen schnell ins Spiel.
  20. 10...Nxe5 – Schwarz tauscht die Springer, um den Turm nach e5 zu locken, wo er mit Tempo angegriffen wird.
  21. 11.Rxe5 – Der Turm schlägt zurück und zentralisiert sich, wird auf e5 aber zum Ziel für ...Bd6 oder ...Nf6.
  22. 11...Nf6 – Marshalls ursprünglicher Rückzug, heute als ungenau angesehen: Statt den Springer mit ...c6 zu stützen, stellt Schwarz ihn wieder auf f6. Der Angriff ist langsamer.
  23. 12.d4 – Befreit den Läufer c1 und kontrolliert e5, womit die Entwicklung vorbereitet wird.
  24. 12...Bd6 – Mit dem Springer auf f6 statt d5 greift der Läufer den Turm e5 an und bereitet ...Ng4 gegen h2 vor.
  25. 13.Re1 – Der Turm kehrt nach e1 zurück, um die erste Reihe zu decken.
  26. 13...Ng4 – Der Springer zielt zusammen mit dem Läufer d6 auf h2 und f2. Schwarz bereitet ...Qh4 oder ...Qf6 vor.
  27. 14.g3 – Schließt die Diagonale des Läufers d6 nach h2 und nimmt der Dame h4. Möglich war auch 14.h3, um den Springer sofort zu vertreiben.

So nutzt du die Stellung

Weiß hat einen Mehrbauern und die Diagonale nach h2 geschlossen; Schwarz muss mit dem Springer g4 anderes Spiel finden.

Tipps vom Meister

Ohne ...c6 hat Schwarz weniger Kompensation

Nach 11...Nf6 12.d4 Bd6 13.Re1 greift Schwarz an, aber mit weniger Figuren als im modernen Marshall.

Musterpartien