Spanische Partie

5. Offene Variante mit 9.Nbd2 (Dilworth-Gegenmittel)

Mit 9.Nbd2 sofort zwingt Weiß Schwarz, das Schicksal des Springers auf e4 unverzüglich zu entscheiden, und verringert so die taktischen Möglichkeiten des schwarzen Gegenangriffs.

1.e4 e5 2.Nf3 Nc6 3.Bb5 a6 4.Ba4 Nf6 5.O-O Nxe4 6.d4 b5 7.Bb3 d5 8.dxe5 Be6 9.Nbd2 Nc5 10.c3 d4 11.Bxe6 Nxe6 12.cxd4 Ncxd4

Zug für Zug

  1. 1.e4 – Weiß besetzt das Zentrum und öffnet die Diagonalen für Dame und Läufer f1. In der Spanischen Partie wird dieser Bauer oft im Mittelpunkt des Kampfes stehen: Schwarz greift ihn mit ...Nf6 an und schlägt ihn in der Offenen Variante sogar mit ...Nxe4.
  2. 1...e5 – Schwarz antwortet symmetrisch: Es streitet um d4 und f4, verhindert e4-e5 und befreit den Läufer f8. Von hier aus baut Weiß die gesamte Spanische Partie auf dem Druck gegen diesen Bauern auf.
  3. 2.Nf3 – Entwickelt den Springer mit direktem Angriff auf den Bauern e5, der nun verteidigt werden muss. Der Springer bereitet außerdem die kurze Rochade vor und unterstützt einen späteren Vorstoß d2-d4.
  4. 2...Nc6 – Deckt e5, entwickelt eine Figur und kontrolliert d4. Gerade dieser Springer, der einzige Verteidiger von e5, wird das Ziel des nächsten Zuges von Weiß.
  5. 3.Bb5 – Die Spanische Partie: Der Läufer greift den Springer c6 an, den Verteidiger von e5. Eine unmittelbare Drohung gibt es noch nicht (Bxc6 dxc6 Nxe5 Qd4 gewinnt den Bauern zurück), aber der Druck auf c6 begleitet die ganze Eröffnung.
  6. 3...a6 – Der Zug von Morphy: Er verlangt vom Läufer sofort eine Entscheidung. Nach 4.Ba4 kann Schwarz die Fesselung mit ...b5 jederzeit lösen; nach 4.Bxc6 erhält es das Läuferpaar.
  7. 4.Ba4 – Der Läufer zieht sich zurück, behält aber den Druck auf c6: Die Drohung Bxc6 mit anschließendem Nxe5 wird wieder aktuell, sobald Weiß rochiert hat. Schwarz kann die Diagonale jederzeit mit ...b5 unterbrechen.
  8. 4...Nf6 – Entwickelt den Springer mit Angriff auf e4. Das ist der Hauptzug: Er führt zur Geschlossenen Spanischen Partie mit ...Be7 oder zur Offenen Variante mit ...Nxe4.
  9. 5.O-O – Rochiert, ohne e4 zu decken: Nimmt Schwarz mit ...Nxe4, gewinnt Weiß den Bauern mit Re1 oder d4 zurück und nutzt den noch im Zentrum stehenden schwarzen König aus.
  10. 5...Nxe4 – Die Offene Variante: Schwarz schlägt e4 und aktiviert den Springer. Der Bauer wird zurückgegeben, doch Schwarz erhält freies, aktives Spiel.
  11. 6.d4 – Öffnet das Zentrum, solange der schwarze König noch auf e8 steht: Weiß droht d5 oder dxe5 und die e-Linie wird für Schwarz gefährlich. Das ist die stärkste Antwort auf die Offene Variante.
  12. 6...b5 – Entfernt den Läufer a4, bevor ...d5 gespielt wird: So ist der Springer c6 nicht mehr gefesselt und Schwarz kann den Springer e4 mit dem Bauern stützen. Außerdem gewinnt es Raum am Damenflügel.
  13. 7.Bb3 – Der Läufer geht auf die Diagonale a2-g8, wo er nach ...d5 d5 angreift und f7 im Blick hat.
  14. 7...d5 – Stützt den Springer e4 und schließt die Diagonale des Läufers b3. Schwarz gibt den Bauern zurück: Nach dxe5 ist das Material ausgeglichen, aber seine Figuren sind aktiv.
  15. 8.dxe5 – Gewinnt den Bauern zurück. Der Bauer e5 gewinnt Raum und nimmt den schwarzen Figuren die Felder d6 und f6: Er wird den gesamten Variantenverlauf über der Stützpunkt von Weiß sein.
  16. 8...Be6 – Entwickelt den Läufer und deckt d5, das vom Läufer b3 angegriffen wird. Das ist der solideste Zug: Der Läufer e6 hält d5 auch gegen künftige Vorstöße.
  17. 9.Nbd2 – Fordert den Springer e4 sofort heraus, ohne vorher c3 zu spielen. So vermeidet Weiß den Dilworth-Angriff (9.c3 Bc5 10.Nbd2 O-O 11.Bc2 Nxf2), der auf dem Läufer auf c5 gegen f2 beruht.
  18. 9...Nc5 – Der Springer zieht sich nach c5 zurück und greift den Läufer b3 an. Schwarz kann dann zwischen ...d4, um sein Spiel zu befreien, und ...Nxb3 wählen.
  19. 10.c3 – Gibt dem Läufer den Rückzug nach c2 und kontrolliert d4. Bereitet auch Nd4 vor, um den Läufer e6 zu tauschen.
  20. 10...d4 – Aktiver Vorstoß: Schwarz öffnet die Diagonale des Läufers e6 gegen b3 und droht ...dxc3, um Weiß im Zentrum zu schwächen.
  21. 11.Bxe6 – Tauscht die Läufer, bevor ...Bxb3 oder ...dxc3 das Spiel verändern: Weiß beseitigt den Läufer, der d5 und c4 kontrollierte.
  22. 11...Nxe6 – Schlägt mit dem Springer c5 zurück, der nun d4 und f4 kontrolliert. Das Schlagen mit ...fxe6 hätte die Struktur am Königsflügel geschwächt.
  23. 12.cxd4 – Beseitigt den Bauern d4 und öffnet die c-Linie, wo der weiße Turm den Bauern c7 angreifen kann.
  24. 12...Ncxd4 – Der Springer c6 schlägt zurück und setzt sich auf d4 im Zentrum fest. Schwarz hat zwei aktive Springer, aber der Läufer f8 ist noch nicht entwickelt und der König steht noch auf e8.

So nutzt du die Stellung

Schwarz hat gut zentralisierte Springer, liegt aber in der Entwicklung zurück: König auf e8 und Läufer f8 noch zu Hause. Weiß hat den Bauern e5 und die offene c-Linie.

Tipps vom Meister

Klärung im Zentrum erzwingen

Nach 9.Nbd2 Nc5 10.c3 d4 11.Bxe6 Nxe6 12.cxd4 Ncxd4 hat Schwarz zwei zentrale Springer, aber sein König steht noch auf e8 und der Läufer f8 ist unentwickelt.

Musterpartien