4. Klassische Offene Variante (9.c3 Be7)
In der Offenen Variante nimmt Schwarz die Herausforderung an und schlägt den Bauern e4 mit 5...Nxe4. Weiß antwortet mit 6.d4 und 8.dxe5, stellt den Läufer auf b3 und untergräbt den schwarzen Springer.
1.e4 e5 2.Nf3 Nc6 3.Bb5 a6 4.Ba4 Nf6 5.O-O Nxe4 6.d4 b5 7.Bb3 d5 8.dxe5 Be6 9.c3 Be7 10.Nbd2 O-O 11.Bc2 f5 12.Nb3 Qd7
Zug für Zug
- 1.e4 – Weiß besetzt das Zentrum und öffnet die Diagonalen für Dame und Läufer f1. In der Spanischen Partie wird dieser Bauer oft im Mittelpunkt des Kampfes stehen: Schwarz greift ihn mit ...Nf6 an und schlägt ihn in der Offenen Variante sogar mit ...Nxe4.
- 1...e5 – Schwarz antwortet symmetrisch: Es streitet um d4 und f4, verhindert e4-e5 und befreit den Läufer f8. Von hier aus baut Weiß die gesamte Spanische Partie auf dem Druck gegen diesen Bauern auf.
- 2.Nf3 – Entwickelt den Springer mit direktem Angriff auf den Bauern e5, der nun verteidigt werden muss. Der Springer bereitet außerdem die kurze Rochade vor und unterstützt einen späteren Vorstoß d2-d4.
- 2...Nc6 – Deckt e5, entwickelt eine Figur und kontrolliert d4. Gerade dieser Springer, der einzige Verteidiger von e5, wird das Ziel des nächsten Zuges von Weiß.
- 3.Bb5 – Die Spanische Partie: Der Läufer greift den Springer c6 an, den Verteidiger von e5. Eine unmittelbare Drohung gibt es noch nicht (Bxc6 dxc6 Nxe5 Qd4 gewinnt den Bauern zurück), aber der Druck auf c6 begleitet die ganze Eröffnung.
- 3...a6 – Der Zug von Morphy: Er verlangt vom Läufer sofort eine Entscheidung. Nach 4.Ba4 kann Schwarz die Fesselung mit ...b5 jederzeit lösen; nach 4.Bxc6 erhält es das Läuferpaar.
- 4.Ba4 – Der Läufer zieht sich zurück, behält aber den Druck auf c6: Die Drohung Bxc6 mit anschließendem Nxe5 wird wieder aktuell, sobald Weiß rochiert hat. Schwarz kann die Diagonale jederzeit mit ...b5 unterbrechen.
- 4...Nf6 – Entwickelt den Springer mit Angriff auf e4. Das ist der Hauptzug: Er führt zur Geschlossenen Spanischen Partie mit ...Be7 oder zur Offenen Variante mit ...Nxe4.
- 5.O-O – Rochiert, ohne e4 zu decken: Nimmt Schwarz mit ...Nxe4, gewinnt Weiß den Bauern mit Re1 oder d4 zurück und nutzt den noch im Zentrum stehenden schwarzen König aus.
- 5...Nxe4 – Die Offene Variante: Schwarz schlägt e4 und aktiviert den Springer. Der Bauer wird zurückgegeben, doch Schwarz erhält freies, aktives Spiel.
- 6.d4 – Öffnet das Zentrum, solange der schwarze König noch auf e8 steht: Weiß droht d5 oder dxe5 und die e-Linie wird für Schwarz gefährlich. Das ist die stärkste Antwort auf die Offene Variante.
- 6...b5 – Entfernt den Läufer a4, bevor ...d5 gespielt wird: So ist der Springer c6 nicht mehr gefesselt und Schwarz kann den Springer e4 mit dem Bauern stützen. Außerdem gewinnt es Raum am Damenflügel.
- 7.Bb3 – Der Läufer geht auf die Diagonale a2-g8, wo er nach ...d5 d5 angreift und f7 im Blick hat.
- 7...d5 – Stützt den Springer e4 und schließt die Diagonale des Läufers b3. Schwarz gibt den Bauern zurück: Nach dxe5 ist das Material ausgeglichen, aber seine Figuren sind aktiv.
- 8.dxe5 – Gewinnt den Bauern zurück. Der Bauer e5 gewinnt Raum und nimmt den schwarzen Figuren die Felder d6 und f6: Er wird den gesamten Variantenverlauf über der Stützpunkt von Weiß sein.
- 8...Be6 – Entwickelt den Läufer und deckt d5, das vom Läufer b3 angegriffen wird. Das ist der solideste Zug: Der Läufer e6 hält d5 auch gegen künftige Vorstöße.
- 9.c3 – Bereitet den Rückzug Bc2 für den Läufer vor und kontrolliert d4, damit sich dort ein weißer Springer festsetzen kann. Weiß bereitet auch Nbd2 gegen den Springer e4 vor.
- 9...Be7 – Bescheidene Entwicklung: Der Läufer geht nach e7 statt nach c5. Das ist solide und bereitet die Rochade vor, verzichtet aber auf den Druck auf f2.
- 10.Nbd2 – Der Springer fordert sofort den Springer e4 heraus, der nur vom Bauern d5 gestützt wird.
- 10...O-O – Schwarz rochiert und bringt den König in Sicherheit, bevor es entscheidet, wie der Springer e4 gestützt wird.
- 11.Bc2 – Der Läufer wechselt auf die Diagonale b1-h7 und greift den Springer e4 an. Jetzt droht Weiß Nxe4 dxe4 Bxe4 und gewinnt einen Bauern.
- 11...f5 – Schwarz stützt den Springer mit einem weiteren Bauern. Das schwächt die Felder e6 und e5, doch der Springer e4 bleibt stabil. Weiß hätte sofort en passant schlagen können, später nicht mehr.
- 12.Nb3 – Der Springer geht nach b3, von wo er d4 anvisiert: Mit Nbd4 oder Nfd4 kann Weiß den Springer c6 oder den Läufer e6 tauschen und das Feld vor dem Bauern d5 besetzen.
- 12...Qd7 – Verbindet die Türme und deckt den Läufer e6 und den Springer c6 im Voraus, bereitet ...Rad8 und die Verteidigung gegen Nfd4 vor.
So nutzt du die Stellung
Typische Stellung der Offenen Variante: Schwarz hat einen starken Springer auf e4, gestützt von d5 und f5, Weiß hat den Bauern e5 und das Feld d4 für seine Figuren.
- Spiele Nfd4: Nach dem Tausch auf d4 besetzt Weiß das Feld vor dem Bauern d5 und kann den Läufer e6 tauschen.
- Treibe a4 gegen b5 vor, um die a-Linie zu öffnen, wo der Turm a1 den Bauern a6 angreift.
- Entwickle den Läufer c1 nach e3 oder f4, um e5 zu stützen und die Türme zu verbinden.
- Achte auf den Vorstoß ...f4 und auf den Springer, der nach c3 oder g5 springt, wenn Weiß Zeit verliert.
Tipps vom Meister
Den Springer auf e4 untergraben
In der Offenen Variante ist der Springer e4 die stärkste Figur von Schwarz. Weiß greift ihn mit c3, Nbd2 und Bc2 an und zwingt Schwarz, ihn mit ...f5 zu stützen oder zu tauschen.
Musterpartien
- So, W. – Anand, V., 2018 1/2-1/2
- Adams, Mi – Giri, A., 2017 1/2-1/2
- Dominguez Perez, L. – Ivanchuk, V., 2014 1/2-1/2