Spanische Partie

8. Riga-Variante (6...exd4): die genaue Verteidigung

Die Riga-Variante (6...exd4 7.Re1 d5 8.Nxd4 Bd6) opfert den Läufer auf h2, um den König anzugreifen. Mit 10.Kh1! und 11.Rxe4+ dxe4 12.Qd8+ erzwingt Weiß den Damentausch und erreicht ein Endspiel mit Läufer und Springer gegen Turm und zwei Bauern, in dem seine Leichtfiguren aktiver sind.

1.e4 e5 2.Nf3 Nc6 3.Bb5 a6 4.Ba4 Nf6 5.O-O Nxe4 6.d4 exd4 7.Re1 d5 8.Nxd4 Bd6 9.Nxc6 Bxh2+ 10.Kh1 Qh4 11.Rxe4+ dxe4 12.Qd8+ Qxd8 13.Nxd8+ Kxd8 14.Kxh2

Zug für Zug

  1. 1.e4 – Weiß besetzt das Zentrum und öffnet die Diagonalen für Dame und Läufer f1. In der Spanischen Partie wird dieser Bauer oft im Mittelpunkt des Kampfes stehen: Schwarz greift ihn mit ...Nf6 an und schlägt ihn in der Offenen Variante sogar mit ...Nxe4.
  2. 1...e5 – Schwarz antwortet symmetrisch: Es streitet um d4 und f4, verhindert e4-e5 und befreit den Läufer f8. Von hier aus baut Weiß die gesamte Spanische Partie auf dem Druck gegen diesen Bauern auf.
  3. 2.Nf3 – Entwickelt den Springer mit direktem Angriff auf den Bauern e5, der nun verteidigt werden muss. Der Springer bereitet außerdem die kurze Rochade vor und unterstützt einen späteren Vorstoß d2-d4.
  4. 2...Nc6 – Deckt e5, entwickelt eine Figur und kontrolliert d4. Gerade dieser Springer, der einzige Verteidiger von e5, wird das Ziel des nächsten Zuges von Weiß.
  5. 3.Bb5 – Die Spanische Partie: Der Läufer greift den Springer c6 an, den Verteidiger von e5. Eine unmittelbare Drohung gibt es noch nicht (Bxc6 dxc6 Nxe5 Qd4 gewinnt den Bauern zurück), aber der Druck auf c6 begleitet die ganze Eröffnung.
  6. 3...a6 – Der Zug von Morphy: Er verlangt vom Läufer sofort eine Entscheidung. Nach 4.Ba4 kann Schwarz die Fesselung mit ...b5 jederzeit lösen; nach 4.Bxc6 erhält es das Läuferpaar.
  7. 4.Ba4 – Der Läufer zieht sich zurück, behält aber den Druck auf c6: Die Drohung Bxc6 mit anschließendem Nxe5 wird wieder aktuell, sobald Weiß rochiert hat. Schwarz kann die Diagonale jederzeit mit ...b5 unterbrechen.
  8. 4...Nf6 – Entwickelt den Springer mit Angriff auf e4. Das ist der Hauptzug: Er führt zur Geschlossenen Spanischen Partie mit ...Be7 oder zur Offenen Variante mit ...Nxe4.
  9. 5.O-O – Rochiert, ohne e4 zu decken: Nimmt Schwarz mit ...Nxe4, gewinnt Weiß den Bauern mit Re1 oder d4 zurück und nutzt den noch im Zentrum stehenden schwarzen König aus.
  10. 5...Nxe4 – Die Offene Variante: Schwarz schlägt e4 und aktiviert den Springer. Der Bauer wird zurückgegeben, doch Schwarz erhält freies, aktives Spiel.
  11. 6.d4 – Öffnet das Zentrum, solange der schwarze König noch auf e8 steht: Weiß droht d5 oder dxe5 und die e-Linie wird für Schwarz gefährlich. Das ist die stärkste Antwort auf die Offene Variante.
  12. 6...exd4 – Die Riga-Variante: Statt ...b5 schlägt Schwarz auf d4 und öffnet das Zentrum, während der König noch auf e8 steht. Nun droht dem Springer e4 die Fesselung auf der e-Linie.
  13. 7.Re1 – Der Turm fesselt den Springer e4 an den König e8. Schwarz muss ihn sofort schützen, sonst gewinnt Weiß ihn.
  14. 7...d5 – Einzige Verteidigung des Springers e4: Der Bauer d5 stützt ihn. Nun hofft Schwarz, den Läufer f8 zu entwickeln und zu rochieren.
  15. 8.Nxd4 – Gewinnt den Bauern zurück und droht Nxc6: Der Springer c6 ist vom Läufer a4 gefesselt und wird zweimal angegriffen.
  16. 8...Bd6 – Schwarz ignoriert die Drohung gegen c6 und bereitet den Gegenangriff ...Bxh2+ mit anschließendem ...Qh4 vor. Das ist die Hauptlinie der Riga-Variante.
  17. 9.Nxc6 – Schlägt den Springer und greift die Dame d8 an. Der Springer auf c6 blockiert zudem die Diagonale des Läufers a4 nach e8, aber jeder seiner Züge gibt Abzugsschach.
  18. 9...Bxh2+ – Bevor es die Dame rettet, opfert Schwarz den Läufer mit Schach, um die Dame nach h4 zu bringen.
  19. 10.Kh1 – Der einzige genaue Zug: Nach 10.Kxh2? Qh4+ 11.Kg1 Qxf2+ hat Schwarz zumindest Dauerschach. Mit dem König auf h1 stört der Läufer h2 nicht mehr.
  20. 10...Qh4 – Die Dame greift an: Schwarz droht, den Läufer h2 mit Abzugsschach zu ziehen und auf f2 zu schlagen.
  21. 11.Rxe4+ – Beseitigt den gefesselten Springer mit Schach und greift die Dame h4 entlang der vierten Reihe an. Schwarz hat keine Zeit für seinen Angriff.
  22. 11...dxe4 – Schwarz schlägt den Turm, aber nun ist die d-Linie offen und die weiße Dame kann nach d8 eindringen.
  23. 12.Qd8+ – Ein Schach, das den Damentausch erzwingt: Der König hat keine freien Felder, also muss Schwarz mit der Dame schlagen.
  24. 12...Qxd8 – Der einzige Zug: Der König kann nicht schlagen, da d8 vom Springer c6 gedeckt wird und die anderen Felder kontrolliert sind.
  25. 13.Nxd8+ – Der Springer schlägt die Dame zurück mit Abzugsschach des Läufers a4.
  26. 13...Kxd8 – Der König schlägt den Springer. Schwarz hat die Figur zurückgewonnen, aber der Läufer h2 steht noch im Schlag.
  27. 14.Kxh2 – Der König schlägt die letzte schlagbare Figur. Weiß hat Läufer und Springer gegen Turm und zwei Bauern: Material ungefähr ausgeglichen, aber Weiß hat den schwarzen Angriff abgewehrt.

So nutzt du die Stellung

Endspiel mit ungefähr ausgeglichenem Material: Läufer und Springer gegen Turm und zwei Bauern. Schwarz hat zwei Mehrbauern am Königsflügel, Weiß Leichtfiguren, die es rasch gegen den schwarzen König im Zentrum entwickeln kann.

Tipps vom Meister

Fürchte die Opfer nicht, wenn du Qd8+ hast!

Die Schlüsselverteidigung ist 12.Qd8+!, die den Damentausch genau dann erzwingt, wenn Schwarz auf seinen Angriff zählte.

Musterpartien